3.2 Ausrichtungen von deutschen Gemeinschaftsprojekten
Ökologische Ausrichtung
Alle 19
aufgeführten Projekte vertreten ökologische Leitbilder hinsichtlich
ihrer Lebens- und Arbeitsweise. Auf die Frage nach ökologischen Leitideen
nennen einige eher unspezifisch eine holistische Umgangsweise
mit der Natur", möglichst umweltbewusstes Leben", natürliche
Zuneigung für den Schutz jedes Lebens" und Pflege und Erhalt
einer natürlichen und gesunden Umwelt", während andere zugespitzter
angeben: ökologische Produktion und ökologischer Konsum",
Verzicht auf den Gebrauch von Chemie", biologisch-dynamische
Wirtschaftsweise in der Landwirtschaft" und ökologisches
Bauen, Leben und Wirtschaften".
Die
ökologische Ausrichtung von Gemeinschaftsprojekten zeigt sich in verschiedenen
Bereichen ihres Alltags: reduziertes Autofahren, abfallbewusstes
Einkaufen oder auch der Umstieg auf Regenwassersammelanlagen, Komposttoiletten
und eigene (Schilf-)Kläranlagen werden genannt. Oft sind Gemeinschaftsprojekte
aufgrund ihres experimentierfreudigen Charakters zu kostspieligen Investitionen
bezüglich alternativer Energienutzung und -herstellung bereit. Sie versuchen
nicht nur, unnötigen Energieverbrauch zu vermeiden, sie verwenden und
erschließen auch Technologien wie Wärmerückgewinnung, Blockheizkraftwerk,
Stückholzheizung sowie Solar- und Windkraftanlagen. Auch im landwirtschaftlichen
Bereich und bei der Verwendung von Baustoffen dienen ökologische Leitideen
einigen Projekten als Grundlage. Neben der Nutzung baubiologischer Materialien
werden Vollholzverarbeitung sowie eine Wiederverwendung von Altmaterialien
genannt.
Soziale Ausrichtung
19 von 19
untersuchten Projekten geben soziale Leitideen an. Fast überall wird
deutlich, dass die herkömmlichen Formen des sozialen Zusammenlebens
als gescheitert und überkommen betrachtet werden. Deshalb wird es als
wichtig angesehen, kleinfamiliäre Strukturen abzubauen.
Die
soziale Ausrichtung von Gemeinschaftsprojekten drückt sich in unterschiedlicher
Weise aus. Der häufig genannte Wunsch nach einem Leben in Gemeinschaft
scheint grundlegend zu sein. Damit verbunden sind die Bedürfnisse nach
Gleichberechtigung und gegenseitiger Hilfestellung, welche von den Projektmitgliedern
vielfach angeführt werden. Durch regelmäßige Gesprächsrunden, alternative
Formen der Entscheidungsfindung (Konsensprinzip) sowie die Aufhebung
spezifischer Männer- und Frauenrollen im Haushalt und bei der Kindererziehung
wird diesen Bedürfnissen entsprochen. Auch der Wunsch nach einem herrschaftsfreien
Zusammenleben in gegenseitigem Respekt und der Toleranz Andersdenkenden
gegenüber ist in vielen Gemeinschaftsprojekten vorhanden. So erproben
einige Projekte unterschiedliche Modelle der Konfliktbewältigung: Selbstverantwortlichkeit
wird erwartet und gefördert, Schlichtungskommissionen werden gebildet,
Anschuldigungen an nicht Anwesende sollen unterbleiben und persönliche
Konflikte können mit Hilfe der Gemeinschaft gelöst werden.
Spirituelle Ausrichtung
Mehr als
die Hälfte der Befragten (11 von 19) geben spirituelle Leitbilder für
ihre Gemeinschaftsprojekte an. In ihnen sind Einflüsse aus den christlichen
Religionen, indische (vedische) Elemente sowie indianisches und buddhistisches
Gedankengut wiederzufinden.
Die
spirituelle Ausrichtung von Gemeinschaftsprojekten spiegelt sich in
ganz unterschiedlichen Leitideen wider. Die meisten Projekte haben sich
nicht auf eine gemeinsame spirituelle Richtung festgelegt. Ihr Ziel
ist eher eine individuell erfahrbare Erweiterung des Alltags um eine
spirituelle Dimension. Der Mensch wird als Teil eines Ganzen betrachtet,
dessen übrige Teile geachtet und geschützt werden wollen. Dabei werden
verschiedene Arten der Meditation, gemeinsames Singen und Beten sowie
individuelle Rituale zelebriert. Einige Gemeinschaften bieten darüber
hinaus Seminare und Workshops zu Themen wie Spiritualität"
oder Tiefenökologie" an. Auf der anderen Seite gibt es auch
Projekte, deren Mitglieder einer gemeinsamen spirituellen Grundhaltung
folgen (katholisches Leben zur inneren Reinigung, Verehrung Krishnas
u.a.). In diesen Fällen scheint Spiritualität das dominierende Leitbild
zu sein.
Kulturelle Ausrichtung
Weniger
stark ausgeprägt, aber dennoch vorhanden, sind kulturelle Ausrichtungen
von Gemeinschaftsprojekten: in 6 von 19 erfassten Fällen verfolgen sie
kulturelle Leitideen. Die Befragung ergibt, dass neben musikalischen
Veranstaltungen (Konzerte, Diskoabende, Kino) und künstlerischen Arbeiten
(Bildhauerei, Aktzeichnen, Kunst als Selbstausdruck) auch Wert auf den
Aufbau kultureller Projekte gelegt wird. Auch Seminare bieten nach Ansicht
der Befragten einen Rahmen für kulturelle Bildungsarbeit. Überdies sind
kulturelle Leitideen bereits in weitere Planungen einiger Gemeinschaften
mit einbezogen worden.
Ökonomische Ausrichtung
Die ökonomische
Ausrichtung der befragten Gemeinschaftsprojekte zeigt sich in verschiedenen
Aspekten ihrer Lebens- und Arbeitsgestaltung. Spezifische ökonomische
Leitbilder werden nicht genannt. Innerhalb der Gemeinschaftsprojekte
gibt es häufig eigenständige Arbeitsbereiche, selten arbeiten jedoch
alle Mitglieder in der Gemeinschaft. Bezüge und Einkommen von außen
scheinen ebenso notwendig zu sein wie Spenden und Zuwendungen in unterschiedlichem
Umfang. Von den 19 befragten Projekten besitzen 13 das Grundstück, auf
dem sie leben, und teilweise noch Ackerland.