(a) Stiftung
Synanon - Muster des sozialen Typs
Die etwa
320 Mitglieder der Stiftung Synanon, die am 1. Januar 1999 zu
einer Stiftung wurde, sind hauptsächlich ehemals süchtige Männer und
Frauen mit ihren Kindern. Sie leben entweder in einem Haus in Berlin
oder in ländlicher Lage auf einem Gut mit mehreren Häusern in Schmerwitz
(Brandenburg). Beide Einrichtungen sind Eigentum von Synanon.
Auf dem Gut werden etwa 880 Schafe, 250 Schweine und 26 Sauen, 1500
Legehennen, 270 Milchkühe, 300 Kälber, 72 Ochsen und 33 Bienenvölker
gehalten. Familien, Paare und Singles wohnen in 1- und 2-4-Bett-Zimmern
und können jederzeit in das Projekt aufgenommen werden.
Die
soziale Ausrichtung spiegelt sich in der Zielsetzung von Synanon
wider: Hilfe durch Selbsthilfe und ein geregeltes Leben bzw. Arbeiten.
Süchtige haben die Möglichkeit, gemeinsam einen Entzug durchzuführen,
um sich danach durch ein geregeltes Leben wieder in die Gesellschaft
integrieren zu können. Dazu müssen die Mitglieder in den ersten sechs
Monaten, die sie im Gemeinschaftsprojekt verbringen, sämtliche Kontakte
nach außen abbrechen und dürfen das Gelände nicht ohne Begleitung verlassen.
Grundsätzlich sind Drogen, Tabak und Gewalt oder die Androhung von Gewalt
auf dem Gelände verboten. Auch einige ökologische Elemente gehören zu
den Grundsätzen der Stiftung Synanon: Durch eine artgerechte
Tierhaltung und eine biologisch-dynamische Wirtschaftsweise können die
hergestellten Erzeugnisse seit 1995 als Demeter-Produkte verkauft werden.
Der
Alltag wird durch eine straffe soziale Hierarchie bestimmt. Entscheidungen
werden zwar von allen getroffen, allerdings haben diejenigen, die dem
Gemeinschaftsprojekt schon länger angehören, mehr Stimmgewicht: Wer
länger dabei ist, hat mehr zu sagen. Die Mahlzeiten werden gemeinsam
um 7:00, 12:30 und 18:00 Uhr eingenommen. Das gemeinsame Arbeiten findet
in den Zweckbetrieben des Projektes statt, zu denen gehören: eine Druckerei
mit Fotosatz und Repro-Abteilung, eine Töpferei, eine Tischlerei, ein
Naturkostladen, ein Haus- und Gebäudereinigungsbetrieb, ein Verlag,
der die Fachzeitschrift Suchtreport herausgibt, eine Wäscherei,
ein Umzugs-Betrieb, ein landwirtschaftlicher Betrieb in der Mark Brandenburg,
der sich auf ökologischen Landbau spezialisiert hat, und das alkohol-
und nikotinfreie Café Kunstpause. Die Deckung der laufenden Kosten
ist zum Teil durch die eigenen Betriebe gewährleistet, der Rest wird
durch private Spenden, Zuschüsse der öffentlichen Hand, Zuwendungen
der Gerichte und auch Möbelschenkungen finanziert.