(b) Gemeinschaftliches
Leben e.V., Hof Barkelsby, Kommune Niederkaufungen, Kommune LAERifari,
ÖkoLEA Klosterdorf e.V., Ökologisch baubiologische Siedlung Friebertshausen
- Muster des sozial-ökologischen Typs
Mit insgesamt
sechs ermittelten Gemeinschaftsprojekten ist der sozial-ökologische
Typ am häufigsten repräsentiert. Das erste Muster stellt die Ökologisch
baubiologische Siedlung Friebertshausen dar. Sie befindet sich in
ländlicher Lage auf ca. 18.000 m2 Eigentum. Zusätzlich sind
noch 22.000 m2 gepachtet (Spielplätze, Streuobstwiesen, Teiche).
Die 28 Erwachsenen und 40 Kinder bzw. Jugendliche, die in der Siedlung
leben, wohnen in Einfamilienhäusern und vermieteten Einliegerwohnungen.
Schafe, Ziegen, Hasen, Hunde und Katzen sowie Miniaturschweine und Esel
werden privat gehalten.
Die
soziale Ausrichtung wird anhand der nachbarschaftlichen Vernetzungen
deutlich: Es gibt eine Car-Sharing-Gruppe, gegenseitige Kinderbetreuung
und Einkaufscoops. Regelmäßige Siedlertreffen sorgen mit organisatorischer
und inhaltlicher Diskussion für das Gefühl eines nachbarschaftlichen
Zusammenlebens bei privater Lebensgestaltung. Arbeitswochenenden zur
Pflege der gemeinsamen Flächen, gemeinsam getroffene Entscheidungen
und das Führen einer Siedlerkasse tragen zu einer engen sozialen Vernetzung
bei.
Die
ökologische Ausrichtung ist mit dem Ziel eines ökologischen Wohnens
verbunden. Zur Erhaltung und Wiederherstellung eines naturnahen Umfeldes
wurden wohngesunde Baustoffe beim Bau der Gebäude verwendet. Eine eigene
Pflanzenkläranlage und Regenwassersammelanlagen runden das Leitbild
eines ökologischen Wohnumfeldes ab. Für die Zukunft ist die Errichtung
einer Windkraftanlage geplant.
Der
Ökologisch baubiologischen Siedlung Friebertshausen ist es gelungen,
ihre äußeren Strukturen auf soziale und ökologische Ziele auszurichten.
Singles und Alleinerziehende ebenso wie Drei-Generationen-Familien und
ältere Menschen sind in ein nachbarschaftliches Sozialgefüge integriert,
leben aber durch die getrennten Haushalte einen privaten Alltag. Das
Gemeinschaftsgefühl wird durch die gemeinsame ökologische Orientierung
zusätzlich gestützt.
Das zweite
Muster des sozial-ökologischen Typs wird durch die Kommune Niederkaufungen
und die ÖkoLea Klosterdorf e.V. vertreten. Obwohl die erste mehr
als doppelt so viele Mitglieder hat als die zweite, ähneln sich beide
Projekte in ihren Ausgestaltungen sehr stark. Die Kommune Niederkaufungen
ist ländlich gelegen, das Gelände ist etwa 10.000 m2 groß
und Eigentum der Gemeinschaft. 54 Erwachsene und 18 Kinder wohnen in
12 Wohngruppen mit je 2 bis 9 BewohnerInnen. Es gibt Kühe und Schweine
auf dem Hof und außerdem Hühner, Katzen, Hasen und Meerschweine. Die
ÖkoLea Klosterdorf e.V. besteht aus 19 Erwachsenen und 11 Kindern,
die in WGs, Familienwohnungen und Bauwagen wohnen. Auch hier ist das
Gemeinschaftsprojekt Eigentümer des Geländes, das in ländlicher Gegend
liegt und fast 9000 m2 umfasst. Zu den Tieren gehören ein
Hund, Katzen, Zwergkaninchen und Meerschweinchen.
Die
soziale Ausrichtung beider Projekte ist durch gemeinsames Leben und
kollektives Arbeiten (in der Kommune Niederkaufungen mit stärker
augeprägten eigenständigen Arbeitsbereichen), gemeinsame Ökonomie, Konsensentscheid,
Gleichberechtigung der Geschlechter, herrschafts- und gewaltfreie Beziehungen
und gegenseitige Hilfestellung zu beschreiben. Die Arbeitsaufteilung
findet jeweils nach Wunsch und Fähigkeit der einzelnen Mitglieder statt,
und mindestens eine warme Mahlzeit pro Tag wird gemeinsam eingenommen.
Außerdem gibt es regelmäßige gemeinsame Veranstaltungen wie etwa Wohngruppenabende,
Hoffeste, Weihnachts- und Osterfeuer.
Auch
im ökologischen Bereich ähneln sich beide Gemeinschaftsprojekte. Die
von beiden verwendeten baubiologischen Materialien sowie (in der Kommune
Niederkaufungen) der Gemüseanbau nach Biolandrichtlinien, Regenwassersammelanlagen,
ökologische Energiegewinnung (Blockheizkraftwerk, Solaranlage, Stückholzheizung)
und (in der ÖKoLea Klosterdorf e.V.) Permakultur, die Komposttoiletten
und die Schilfkläranlage zeigen ihr ökologisches Engagement. Bei den
Lebensmitteln wird auf eine Verwendung von Produkten aus biologischem
Anbau geachtet. Beide Projekte kommen darüber hinaus mit wenigen Autos
aus (ÖkoLea Klosterdorf e.V.: 9 und Kommune Niederkaufungen:
7).
Das dritte
Muster bilden die Projekte Gemeinschaftliches Leben e.V., Kommune
LAERifari und der Hof Barkelsby. Alle drei sind mit zwölf
Mitgliedern (Gemeinschaftliches Leben e.V.: sechs Erwachsene
und sechs Kinder), 11 Mitgliedern (Hof Barkelsby) und sechs Mitgliedern
(Kommune LAERifari: sechs Erwachsene) als kleine Projekte
einzustufen. Allen ist zudem die ländliche Lage gemein. Die Mitglieder
des Projektes Gemeinschaftliches Leben e.V. wohnen auf einem
etwa 8000 m2 großen Gelände zusammen mit Katzen und Hühnern.
Die Kommune LAERifari befindet sich auf einem etwa ein ha großen
Grundstück. Zwei Katzen, ein Kater und zwei Schafe zählen zu den Tieren
auf dem Gelände. Und die Mitglieder des Hof Barkelsby leben auf
einem eigenen Gelände von 5000 m2 zusammen mit Hühnern, Hunden
und einer Katze.
Die
soziale Ausrichtung ist mit der Schaffung eines herrschaftsfreien Raumes
verbunden, in dem ein gleichberechtigter Umgang miteinander, Gewaltlosigkeit
und Offenheit ermöglicht werden. Kollektives Arbeiten ist in den Zielsetzungen
aller drei Projekte enthalten. Außerdem wird das Gemeinschaftsgefühl
durch einen anvisierten Konsensentscheid und gemeinsame Mahlzeiten gestützt:
in der Kommune LAERifari isst zusammen, wer möchte, in der Kommunität
Gemeinschaftliches Leben e.V. wird gemeinsam zu Mittag gegessen
und im Hof Barkelsby wird mittags und abends zusammmen gespeist.
Zu den weiteren, ihnen gemeinsamen Aktivitäten gehören u.a. das Veranstalten
von Festen (z.B. Hoffest, Sommerfest, Winteraustreibungsfest) und gemeinschaftlichen
Aktionen (z.B. Radtouren, Lagerfeuer, Spieleabende).
Während
das Projekt Gemeinschaftliches Leben e.V. auch in engen Sinne
politische Zielsetzungen anstrebt, indem es gewaltfreie Aktionen gegen
Atomkraft und Castortransporte unterstützt, versuchen die Mitglieder
der Kommune LAERifari, sich ein nicht ausgrenzendes Sprach- und
Redeverhalten anzueignen und Techniken der Radikalen Therapie
anzuwenden. Die soziale Ausrichtung des Hof Barkelsby und der
Kommune LAERifari wird auch durch die gemeinsame Kasse deutlich,
in die alle Gelder einfließen, um die laufenden Kosten zu decken, so
dass die Existenzgrundlage für alle und durch alle gesichert wird.
Die
ökologische Ausrichtung wird an dem Leitbild eines umweltfreundlichen
und ressourcenschonenden Lebens deutlich. Gemeinschaftliches Leben
e.V. und die Kommune LAERifari verwenden ökologische Baustoffe
und versuchen, möglichst wenig Auto zu fahren. Zusätzlich zu einem (Kommune
LAERifari) bzw. zwei Autos (Gemeinschaftliches Leben e.V.
und Hof Barkelsby) nutzen die Mitglieder verstärkt Fahrräder
als Fortbewegungsmittel. Darüber hinaus wird abfallbewusst eingekauft,
und bei der Ernährung werden biologisch angebaute Produkte gewählt.
Energie wird auch durch eine Holzheizung (Kommune LAERifari)
oder durch eine Solaranlage, eine Holzvergaserheizung und Anteile am
regionalen Windrad (Gemeinschaftliches Leben e.V.) gewonnen.
Der Hof Barkelsby strebt Selbstversorgung und Energieeinsparung als
ökologische Strategien an.
Im
Vergleich zum zweiten Muster des sozial-ökologischen Typs unterscheiden
sie sich nicht wesentlich darin, wie sie versuchen, ihre Leitideen zu
verwirklichen. Lediglich die Größe der Projekte weicht stark voneinander
ab.