(c) Biolandhof Warmuth, Brennessel-Hof - Muster des sozial-kulturellen Typs

Der Biolandhof Warmuth und der Brennessel-Hof vertreten den sozial-kulturellen Typ. Durch die erheblichen Unterschiede in der Anzahl der Mitglieder sind die Projekte in zwei Muster einzuordnen. Im Biolandhof Warmuth leben drei Erwachsene und vier Kinder ständig und ein bis zwei Erwachsene zeitweise, hauptsächlich als Helfer zur Erntezeit. Der Hof befindet sich in einer ländlichen Lage und ist inklusive der 70 ha Ackerfläche gepachtet. Die Gemeinschaftsmitglieder wohnen zusammen in einem Wohnhaus, Tiere gibt es nicht auf dem Gelände.
     
Ihr soziales Anliegen wird in der gegenseitigen Hilfestellung und Unterstützung der Mitglieder deutlich. Außerdem ist der Hof jederzeit für Gäste offen. Die Sicherung der Existenzgrundlage durch die Einnahmen aus der Dinkelkissenproduktion, der Landwirtschaft, der Meditationspraxis, den Workshops und einem Hofladen, in dem selbsterzeugte Produkte verkauft werden, führt zur Wahrnehmung einer gemeinsamen Verantwortlichkeit und regt damit das Gemeinschaftsgefühl an. Auch die Entscheidungsfindung mit Hilfe des Konsensprinzips und die zumeist gemeinsamen Mahlzeiten stärken das soziale Miteinander.
     
Die kulturelle Ausrichtung wird anhand der Einstellung zur Kunst deutlich: Kunst wird im Biolandhof Warmuth als eine Form des Selbstausdrucks angesehen. Künstlerische Tätigkeiten wie Bildhauerei und Aktzeichnen werden zu diesem Zweck in den Alltag integriert.
     
In Anbetracht der geringen Mitgliederzahl - vor allem der geringen Zahl arbeitsfähiger Erwachsener - überrascht es, dass ein Gemeinschaftsprojekt auch in dieser Konstellation existieren kann. Der dafür ausschlaggebende Faktor scheint der soziale Akzent, vor allem die unbedingte gegenseitige Unterstützung der Mitglieder, zu sein, während die kulturellen Aktivitäten wohl eher als individuell gelebter Ausgleich zum Alltag und dessen Bereicherung zu betrachten sind.

Im Gegensatz dazu ist der Brennessel-Hof mit 14 Erwachsenen und 12 Kindern nicht mehr als kleines Gemeinschaftsprojekt anzusehen. In ländlicher Lage wohnen die Familien auf einem eigenen, zwei ha großen Grundstück mit zusätzlich einem ha Ackerfläche. Hühner, Schafe, ein Hund und zwei Katzen zählen zu den Tieren auf dem Gelände.
     
Im Brennessel-Hof spiegelt sich die soziale Ausrichtung im Verständnis von Gemeinschaft wider: „Gemeinschaft verstehen wir als bewusste Beziehungen, ein bewusstes Angehen der sozialen Bedürfnisse des Menschen, so unterschiedlich und entwicklungsbedürftig und -fähig diese auch immer sein mögen." Das Recht auf Selbstverwirklichung, die Möglichkeit, Kinder gemeinsam mit anderen Kindern aufwachsen zu lassen und der Wunsch nach Eigenverantwortlichkeit stehen für dieses Gemeinschaftsbild. Dabei weichen die Erziehungs- und Lebensstile der einzelnen Mitglieder teilweise voneinander ab, was zu Reibungspunkten führt. Entscheidungen werden im Allgemeinen nach dem Konsensprinzip gefällt, in Zweifelsfällen reicht auch eine 3/4 -Mehrheit. Ein gemeinsames Frühstück am Sonntag Morgen sowie Organisationstreffen, das „Hof-Forum" und diverse andere Aktivitäten bereichern das Zusammenleben.
     
Kultur wird, wie beim Biolandhof Warmuth, im Sinne von Selbstausdruck verstanden. Dies führt zu einem hohen Grad an Selbstverwirklichung der Gemeinschaftsmitglieder, steht aber nicht im Gegensatz zu ihren sozialen Anliegen. Denn gemeinsame kulturelle Aktivitäten können die Entwicklung von Gemeinschaft begünstigen.
     
Der Brennessel-Hof zeigt durch seine strukturellen Voraussetzungen, wie ein größeres sozial-kulturelles Gemeinschaftsprojekt bestehen kann. Bisher gehören nur Familien zu diesem Projekt, die für sich genommen kleinere Einheiten eines Ganzen darstellen. Die soziale Ausrichtung zeigt sich weniger im gemeinsamen Arbeiten, Wirtschaften oder Essen, sondern vielmehr durch die Suche nach einem friedvollen Zusammenleben und nach Möglichkeiten, sich in einem sozial abgesicherten Rahmen selbstzuverwirklichen. Dies geschieht mit Hilfe kultureller Aktivitäten, die auf individueller Basis vielfältig umgesetzt werden können.
     
In den letzten anderthalb Jahren hat sich der Brennessel-Hof zu einem Teil einer größeren Gemeinschaft entwickelt, die gerade erst dabei ist, sich zu konstituieren, mit all den Schwierigkeiten und Unklarheiten, die mit einem solchen Vorgang verbunden sind.

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