Vom politischen Protest zum zukunftsfähigen
Lebensstil
5.4 Die Beringhof-Gemeinschaft - eine spirituell-öko-soziale
Gemeinschaft

Ein Portrait
Auf der
Suche nach einer mitweltverträglichen und zukunftsfähigen Lebensweise
wird im April 1990 die Beringhof-Gemeinschaft gegründet. Renate
und Gerhard Breidenstein sind nach einer experience-week
in Findhorn von dem Gedanken fasziniert, ein ähnliches Projekt in kleinerem
Rahmen auch in Deutschland ins Leben zu rufen. Sie sprechen Freunde
an - zum Teil sind es alte Bekannte aus der Friedensbewegung - und es
schließt sich ziemlich schnell eine Gruppe zusammen, deren Interesse
an einem Gemeinschaftsprojekt sehr groß ist. Durch die zum Teil zermürbenden
Proteste gegen die Politik in unserem Land ist vielen klar geworden,
dass man nicht immer nur "gegen etwas sein kann", sondern
dass man vielmehr durch das gelebte Beispiel zeigen sollte, welche Werte
und Lebensstil-Formen es sich einzusetzen lohnt bzw. was einen zukunftsfähigen
Lebensstil eigentlich ausmacht. Auch einige der Freunde sind schon in
Findhorn gewesen und so sind die Vorstellungen, wie das gemeinschaftliche
Leben aussehen soll, recht klar. Im Mai 1988 findet sich durch Zufall
ein altes Gutsgelände an der Ruhr, was den Entwicklungsprozeß des Gemeinschaftsprojektes
sehr beschleunigt. Einige werden dadurch zwar abgeschreckt und springen
wieder ab, dafür schließen sich aber neue Menschen der Gruppe an. Im
Sommer 1989 kann dann der Pachtvertrag abgeschlossen werden, die Renovierungsarbeiten
dauern jedoch noch bis ins Jahr 1990 hinein. Drei der Mitbegründer sind
auch heute noch Mitglieder der Beringhof-Gemeinschaft. Die Breidensteins
sind zwar selbst nicht mehr aktiv dabei, bleiben dem Beringhof
aber freundschaftlich verbunden und beteiligen sich auch weiterhin am
Seminarbetrieb. Ein wichtiger Impuls für dieses Gemeinschafts-Experiment
war die verspürte Sorge und Hilflosigkeit angesichts der voranschreitenden
und scheinbar unaufhaltsamen Zerstörung des Lebens auf der Erde.
Zur
Zeit leben 11 Erwachsene und 6 Kinder im Alter zwischen 1 und 70 Jahren
auf dem Beringhof. Neben einer Familie gibt es dort Singles und
Paare, wobei die Partner teils innerhalb teils außerhalb des Gemeinschaftsprojektes
leben. Das Gelände des Beringhofes befindet sich etwa 50 km östlich
von Dortmund und liegt zwischen Feldern direkt an der Ruhr. Ein großes
Gutshaus aus dem 19. Jahrhundert, mehrere Nebengebäude wie z.B. Scheunen,
ein Seminarhaus und kleinere Wohneinheiten sowie ein Hektar Ackerfläche
sind die grundsätzlichen Bestandteile des Gemeinschaftsprojektes. Der
Pachtvertrag läuft zwar über 25 Jahre, die Gemeinschaftsmitglieder streben
aber einen endgültigen Kauf an, denn sie besitzen das Vorkaufsrecht.
Individuelle Wünsche haben sich in der Gestaltung des Wohnraums ergeben:
Die meisten Mitglieder haben Zimmer im großen Haupthaus, es gibt allerdings
auch noch ein kleineres Nebengebäude und ein paar selbstgestaltete Wohnwagen
als Unterbringungsmöglichkeit.
Aufgrund
der ländlichen Lage leben die Mitglieder der Beringhof-Gemeinschaft
eher ein zurückgezogenes Leben. Kontakte nach außen entstehen u.a.
durch den Direktverkauf der selbsterzeugten Produkte (Gemüse, Honig
etc.), durch berufliche Verbindungen, durch Vorträge und Seminare bei
anderen Veranstaltern, durch Teilnahme an politischen Aktionen (z.B.
zum Golf-Krieg, Castor-Transporte) und nicht zuletzt durch die aktive
Beteiligung an der Vernetzung der Gemeinschaftsprojekte in Deutschland.
Der Seminarbetrieb soll künftig erweitert werden. Nach wie vor gibt
es viele Besucher und Gäste, so dass ein regelmäßiger Austausch mit Außenstehenden
möglich ist.
Das
Leben der Beringhof-Gemeinschaft stützt sich auf vier Säulen,
welche die Leitideen der Projektmitglieder umfassend wiedergeben:
- gemeinschaftlich leben
- einfach leben
- ökologisch leben
- spirituell leben
Gemeinschaftlich
leben heißt sowohl die Ängste angesichts der Zukunft zu teilen wie auch
die Ideen, die Kreativität und die Lebensfreude. Durch Gäste, Seminare,
Feste und andere Aktivitäten wird dies unterstützt. Eine gemeinsame
Tagesgestaltung und gemeinsame Entscheidungen in allen Belangen sowie
emotionale Nähe untereinander sind weitere Aspekte dieser Säule.
Einfach leben heißt, sich von den Konsumzwängen
zu lösen und zu lernen, mit weniger materiellem Aufwand auszukommen.
Dies ist ein grundlegender Bestandteil für einen konsequent ökologischen
Lebensstil und für die Solidarität mit der Einen Welt.
Ökologisch leben heißt, nach Möglichkeiten
im Alltag zu suchen, die der Erde weniger Schaden zufügen. Hier geht
es um Heiz- und Verkehrsenergie, Ernährung, Konsumgewohnheiten, Bauen
und Renovieren.
Spirituell leben heißt, die innere Verwurzelung
zu suchen. Durch Spiritualität soll das Bewusstsein wachsen, dass der
Mensch Teil des Lebensnetzes Erde ist. Meditation und andere kleine
Rituale helfen im Alltag, dieses Bewusstsein immer wieder zu üben, wobei
man von allen Religionen lernen will.
Für die Menschen im Beringhof
ist die Umsetzung der spirituellen und ökologischen Ausrichtung im Alltag
durch die bewusste Verwirklichung eines zukunftsfähigen Lebensstils
von größter Bedeutung. Ebenso wichtig ist allerdings das gemeinschaftliche
Zusammenleben und die gegenseitige Unterstützung, ohne die ein solcher
Lebensstil kaum aufrechtzuerhalten wäre. Deshalb wird immer wieder versucht,
das Gefühl von Gemeinschaft mit Hilfe von Gruppentreffen zu erhalten
und bewusst zu machen. Der gemeinsame Tag beginnt im Beringhof
mit einem Morgenkreis um 830, an dem bis auf die Berufstätigen,
die außerhalb arbeiten und daher um diese Zeit schon unterwegs sind,
alle teilnehmen. Dieser Morgenkreis bietet die Möglichkeit zur emotionalen
Mitteilung, zur Klärung bzw. Organisation des Tages und zur spirituellen
Verbündung". Eine Sitzung zum Allgemeinen Wochenüberblick
findet jeden Montag statt.
Jeden Tag um 1300 Uhr
gibt es ein gemeinsames Mittagessen, das von jeweils einem Mitglied
der Gemeinschaft zubereitet wird. In der gemeinsamen Küche wird ausschließlich
vegetarisch gekocht, ansonsten gibt es jedoch keine Verpflichtung zu
einer vegetarischen Ernährung. Die übrigen Mahlzeiten werden je nach
Belieben eingenommen, wobei einige Mitglieder auch zusammen frühstücken
und zu Abend essen.
Jeden
Abend haben die Beringhof-Mitglieder die Gelegenheit, von 2030
bis 2100 Uhr gemeinsam zu meditieren. Einmal wöchentlich
findet um 2030 Uhr ein Gruppenabend statt, an dem
z.B. Konflikte besprochen und Entscheidungen getroffen werden. Dieser
Abend ist zwar eigentlich für organisatorische Dinge gedacht, die individuellen
Probleme der einzelnen Projektmitglieder haben jedoch generell Vorrang.
Pro Jahr gibt es noch sechs Gruppenwochenenden, an denen Themen besprochen
werden, die viel Zeit in Anspruch nehmen. Die Frage nach einer Vergrößerung
der Gemeinschaft, die Besprechung neuer Renovierungsziele oder auch
eine intensive Auseinandersetzung mit dem Thema Spiritualität
sind beispielhafte Gründe für solche Gemeinschaftswochenenden, an denen
die Kinder nur teilweise dabei sind, da sie zum Teil die nötige Aufmerksamkeit
behindern (es gibt allerdings auch extra Programmteile mit Kindern).
Entscheidungen
werden von den Gemeinschaftsmitgliedern ausschließlich nach dem Konsensprinzip
getroffen. Alle Mitglieder arbeiten also gemeinsam daran, die richtige
Entscheidung zu fällen und jede/r weiß, dass ihre/seine Stimme ebenso
viel zählt, wie die der anderen. Nach mehr oder weniger ausführlichen
Diskussionen müssen alle Beteiligten eine Lösung finden, die sie (mit-)tragen
können, weil auch bei weniger wichtigen Entscheidungen nur eine Lösung
akzeptiert wird, zu der alle stehen.
Auch
die Ökonomie ist Sache der ganzen Gemeinschaft: eine gemeinsame Kasse
deckt die laufenden Kosten. Konkret heißt dies, dass nach Abzug von
Steuern und Versicherungen das gesamte Einkommen in eine Kasse fließt,
aus der wiederum die monatlichen Kosten gezahlt werden (Miete, Nahrung,
Nebenkosten, Autos, öffentlicher Verkehr etc.). Darüber hinaus erhält
jeder Erwachsene ein monatliches Verfügungsgeld von 200,- DM (z.B. für
Kleidung, Genußmittel u.Ä.). Erfahrungsgemäß wird für jedes erwachsene
Projektmitglied zwischen 1500,- und 1600,- DM pro Monat für die Deckung
der laufenden Kosten gebraucht (einschließlich der Kosten für die Kinder).
Für die Beringhof-Gemeinschaft bedeutet dies, dass möglichst
jeder einen Halbtagsjob außerhalb der Gemeinschaft haben und die andere
Tageshälfte den Gemeinschaftsarbeiten zur Verfügung stellen sollte.
Dieses Ziel wird zwar angestrebt, ist aber noch nicht erreicht worden.
Soweit die im Folgenden geschilderten Arbeitsbereiche Überschüsse erwirtschaften,
fließen diese ebenfalls in die Einkommensgemeinschaft. Der finanziell
sehr enge Rahmen hat jedoch nicht zur Folge, dass neue Mitglieder eine
Aufnahmegebühr zahlen müssen. Neben der gemeinsamen Kasse existiert
noch eine Vereinskasse, aus der z.B. die Kosten für den Bau oder die
Renovierung von Gemeinschaftsräumen bezahlt werden. Als gemeinnütziger
Verein bekommt der Beringhof in unregelmäßigen Abständen Spenden
oder private Darlehen, die allerdings bei Bedarf jederzeit zurückgezahlt
werden müssen. Aus diesem Grund werden keine Darlehen angenommen, die
5000,- DM überschreiten.

Die Arbeit
innerhalb der Beringhof-Gemeinschaft ist in verschiedene eigenständige
Bereiche aufgeteilt. Neben dem ökologischen Gemüseanbau und dessen Vermarktung
ab Hof bzw. auf Wochenmärkten (Arnsberg und Neheim) gibt es eine ökologische
Imkerei, einen Garten-Landschaftsbau-Betrieb sowie den Seminarbetrieb.
Das Gemüse wird auf der Ackerfläche und in zwei großen Gewächshäusern
mit Bewässerungsanlage angepflanzt. Da ein Gemeinschaftsmitglied den
Gemüseanbau ganz alleine bewältigt, arbeitet es ausschließlich auf dem
Beringhof, hat also keine weitere Stelle außerhalb der Gemeinschaft.
Die angebauten Produkte reichen für eine Selbstversorgung der Beringhof-Mitglieder
sowie für einen Verkauf und den Seminarbetrieb aus. Ein kleiner Teil
wird an Naturkostläden, also an Wiederverkäufer, abgegeben. Auch in
der Imkerei und beim Bauen wird nach ökologischen bzw. biologisch-ökologischen
Kriterien gearbeitet.
Die
Kinderbetreuung ist hauptsächlich Sache der Mütter. Zu deren Entlastung
hat eine Gemeinschaft den Vorteil, dass fast immer wenigstens ein Mitglied
anwesend ist, um die Kinder für eine Weile zu beaufsichtigen. Dies folgt
schon allein daraus, dass einige Mitglieder ausschließlich auf dem Gelände
der Gemeinschaft arbeiten. Der Landschaftsgärtner hingegen arbeitet
hauptsächlich außerhalb der Gemeinschaft. Sowohl die Neugestaltung als
auch die Pflege von Gärten und Grünanlagen gehören zu seinem Repertoire.
Da er im Umkreis von ca. 50 km Aufträge annimmt, ist er tagsüber meist
unterwegs.
Den
Seminarbetrieb gibt es schon seit der Gründung der Beringhof-Gemeinschaft
und die angebotenen Seminare werden halbjährlich in einem Programmheft
vorgestellt. Aufgrund fehlender Räumlichkeiten wurden die Seminare zunächst
in einem Dortmunder Privathaus gehalten, seit Anfang 1997 steht dafür
das aus einem Kuhstall mit baubiologisch-ökologischen Materialien umgebaute
200 m2 große Seminarhaus auf dem Beringhof zur Verfügung.
Eigene Seminare zu den Themen Spiritualität, Ökologie und Tiefenökologie
wechseln sich ab mit Seminaren, die von nahestehenden Veranstaltern
angeboten werden. Zu diesem Zweck kann der Seminarraum auch gemietet
werden. Unterstützung bekommt die Gemeinschaft hierbei vom Evangelischen
Erwachsenenbildungswerk Westfalen-Lippe, was eine genaue Buchführung
und Abrechnung notwendig macht. Die Gäste werden zwar von der Gemeinschaftsküche
beköstigt, es gibt allerdings nur ein Gästezimmer, so dass bei Seminaren
mit maximal 20 Teilnehmern der Seminarraum gleichzeitig als Schlafraum
fungiert. Dort übernachten die Gäste dann gemeinsam auf Matratzen, die
von der Gemeinschaft zur Verfügung gestellt werden.
Das
Leben in einer Gemeinschaft hat neben den unbestrittenen Vorteilen und
Chancen auch mit Problemen zu kämpfen. Gerade in einer kleinen Gemeinschaft
wie dem Beringhof kann sich der einzelne nicht beliebig lange
vom Gemeinschaftsleben zurückziehen. Konflikte, welche die ganze Gemeinschaft
betreffen (sie sind in kleinen Gemeinschaften der Regelfall), benötigen
größere Anstrengungen, um zu einer Lösung zu gelangen als z.B. in familiären
Strukturen. Jedes einzelne Gemeinschaftsmitglied muss sich einbringen,
um konstruktive Gemeinschaftslösungen zu erarbeiten. Allerdings ist
es ebenso wichtig, dass dem Einzelnen eine Rückzugsmöglichkeit offensteht.
Jedes Projektmitglied hat deshalb die Chance, sich in seine Privatsphäre
zurückzuziehen, um wieder neue Kraft für die Gemeinschaft zu tanken.
Besonders in Zeiten harter Arbeit (z.B. zur Erntezeit) besteht die Gefahr
der Selbstaufgabe, was einen Rückzug nahezu unmöglich macht. Jeder muss
also selbst darauf achten, sich und seine Individualität in der Gemeinschaft
nicht aufzugeben.
Zukunftsfähige Elemente

Abb.
8: Modell der Motivations- und Bedürfnisräume der Beringhof-Gemeinschaft
Unser Motivations-
und Bedürfnismodell (Abb. 8) für die Beringhof-Gemeinschaft zeigt,
dass die Mitglieder ihren Alltag stark spirituell, ökologisch und als
Folge der Spiritualität auch besonders sozial ausrichten. Das Bewusstsein,
als Mensch einem großen Ganzen anzugehören, dessen übrige Teile ebenso
wichtig sind und daher geachtet und geschützt werden wollen, durchdringt
alle anderen Bedürfnisse und Motivationen der Beringhof-Mitglieder.
Die Sehnsucht nach einer ganzheitlichen Lebensweise ist hier von dem
Wunsch beseelt, sich mit dem Kosmos in Einklang zu fühlen und gekoppelt
mit einer engen Beziehung zur inneren, sozialen und auch natürlichen
Mitwelt.
Spiritualität
wird durch verschiedene regelmäßige und unregelmäßige Rituale gelebt.
Sonntags werden Andachten gehalten, die jeweils von einem der Gemeinschaftsmitglieder
vorbereitet werden und sich deshalb hinsichtlich ihrer Themen, Inhalte
und Durchführungen voneinander unterscheiden. Die religiösen und spirituellen
Erfahrungen der einzelnen Mitglieder reichen vom Christentum über den
Islam zum Buddhismus, von indianischem Gedankengut zu vedischen (indischen)
Traditionen. Erst aus dieser spirituellen Vielfalt heraus ergibt sich
der Grundkonsens der Beringhof-Gemeinschaft. Weitere Rituale
für die alltägliche Spiritualität sind z.B. ein kurzes Innehalten, wenn
um 1200 Uhr ein Gong ertönt; eine meditative Einstimmung
auf das Mittagessen wie auf das gemeinsame Arbeiten; die abendliche
Meditation auf Zen-Basis; die Steinrunde, die insbesondere beim Morgenkreis
angewendet wird (ein Stein wird in der Runde umher gereicht und nur
die Person, die den Stein in der Hand hält, darf etwas sagen, während
alle anderen zuhören, ohne dazwischenzureden); das Feiern traditioneller
Feste, die jedoch mit neuen Formen gestaltet werden (besonders das Erntedankfest
und das Pfingstfest) und das Experimentieren mit neuen Ritualen zu besonderen
Anlässen.
Die
ganzheitliche Lebensweise drückt sich in dem verantwortlicheren Umgang
mit der Natur aus und dem Streben nach ökologischen Maßstäben. Ganz
oben auf der Liste steht das Ziel, weitgehend auf unnötigen Konsum zu
verzichten. Die Nutzung der drei Autos wird daher mit Hilfe von Fahrrädern
und öffentlichen Verkehrsmitteln auf ein Minimum reduziert. Dafür ist
vor allem eine ausgefeilte Koordination und Organisation vonnöten (wenn
beispielsweise jemand mit dem Auto in die Stadt fährt, wird vorher abgesprochen,
was auf diesem Weg zusätzlich besorgt werden kann). In punkto Energie
wird im Beringhof auf Holz zurückgegriffen. Als regenerierbare
Energiequelle ist Holz nicht nur umweltfreundlicher als Erdöl, sondern
auch viel günstiger. Denn hauptsächlich werden die Abfälle eines Sägewerks
gekauft, in Eigenarbeit zerkleinert und in einer modernen Zentralheizungsanlage
verfeuert. Eine Solaranlage liefert warmes Wasser.
Gebaut
und renoviert wird nach baubiologisch-ökologischen Prinzipien. Hierbei
spielen die Holzbehandlung und die Überlegung, welche Baumaterialien
benutzt werden, eine zentrale Rolle. Statt Zement wird beispielsweise
Lehm verwendet, denn er ist nicht nur umweltverträglicher, sondern auch
wesentlich günstiger im Einkauf. Dass der Boden viel Lößlehm hergibt,
hat zusätzlich dazu angespornt, dieses Material zu verarbeiten. Mittlerweile
ist in vielen Bauwochen mit freiwilligen Helfern ein großer Erfahrungsschatz
enstanden.
Der Gemüseanbau
wird konsequent nach Bioland-Richtlinien betrieben, die um einiges strenger
sind als die EG-Richtlinien. Konkret bedeutet dies, dass die Erde auf
dem Acker und in den Gewächshäusern ausschließlich mit umweltfreundlichen
Mitteln und Vorgehensweisen bearbeitet wird (z.B. als Schädlingsbekämpfung
keine Chemie, sondern Netze) und dass der Anbau regelmäßig und unangekündigt
durch Bioland-Vertreter kontrolliert wird. Durch die Bioland-Mitgliedschaft,
für die viel bezahlt werden muss, und die größeren Mengen an unverkäuflichen
Erzeugnissen, die durch den Verzicht auf Chemie entstehen, ist Bioland-Gemüse
teurer als normal angebautes Gemüse. Dafür haben die Verbraucher jedoch
die Gewähr (und bei einem Direkteinkauf können sie sich selbst davon
überzeugen), dass ihr Gemüse unter ökologischen Bedingungen angebaut
wurde. Als Innovation des eigenen Hauses hat der Beringhof eine
Methode für die ökologische Vermehrung von Gemüsesamen entwickelt. Als
Betrieb mit einem ökologischen Gemüseanbau gehört der Beringhof
zu einer keinen deutschen Minderheit. Nur ca. 1% der landwirtschaftlichen
Fläche in Deutschland wird ökologisch bebaut, was auch daran liegen
mag, dass nur sehr geringe staatliche Subventionsbeträge verfügbar sind
- pro Jahr können etwa 1000,- DM beantragt werden.

Für die Arbeit in der Imkerei
sehen Bioland-Richtlinien vor, dass die Bienen, die häufig von Milben
befallen werden, mit dem natürlichen Produkt Ameisensäure
und nicht mit chemischen Mitteln behandelt werden. Wie auch beim biologischen
Gemüseanbau führt auch hier die umständlichere, aber ökologischere Methode
zu einem höheren Preis für Honig und andere Wachsprodukte.
Bei
der eigenen Ernährung achten die Gemeinschaftsmitglieder darauf, dass
die Zutaten, die nicht selbst angepflanzt werden können, im Biogroßhandel
gekauft werden. Auf diesem Weg wollen die Mitglieder der Beringhof-Gemeinschaft
eine positive Verbindung zwischen sich und ihrer natürlichen Mitwelt
erreichen.
Zum
ganzheitlichen Lebensmodell der Beringhof-Gemeinschaft gehört
neben der gelebten Spiritualität und der ökologischen Ausrichtung auch
die menschliche Nähe - nicht umsonst leben die Mitglieder in einem Gemeinschaftsprojekt.
Der Geist der Gemeinschaft, das Bewusstsein, gemeinsam die Verantwortung
für ein mitweltverträgliches Leben zu teilen, die Bereitschaft, anderen
zu helfen, von ihnen unterstützt zu werden und in der Gemeinschaft Stärke
zu finden, all dies sind Wünsche und Motive der Gemeinschaftsmitglieder.
Das Konsensprinzip, nach dem Entscheidungen getroffen werden, die Einkommensgemeinschaft,
die dem Individuum Sicherheit

gibt, der
gemeinsame Tagesbeginn, Gruppenabende und Gemeinschaftswochenenden,
durch die der Sinn von Gemeinschaft immer neu vermittelt wird und schließlich
das gemeinsame Mittagessen sind Chancen, den Bindungs- und Selbstwertbedürfnissen
der einzelnen Mitglieder gerecht zu werden. Die Kinder haben je nach
Bedarf mehrere Bezugspersonen, was bei Konfliktsituationen innerhalb
der Familie sehr hilfreich sein kann. Aber auch die Eltern profitieren
durch die Möglichkeit gegenseitiger Kinderbetreuung von der Gemeinschaft.
Da die Anzahl der Kinder auf dem Beringhof im Verhältnis zu den
erwachsenen Mitgliedern recht groß ist, entstehen für Eltern und alleinerziehende
Mütter oftmals Probleme, denn es ist nicht immer leicht, die Bedürfnisse
der Kinder und die der Gemeinschaft miteinander zu vereinbaren. Der
Ausgleich zwischen Familie und Gemeinschaft stellt also - wie das Leben
auf dem Beringhof allgemein - eine ständige Herausforderung dar.
Allerdings bieten die damit verbundenen Anstrengungen, und darin sind
sich alle Mitglieder einig, die Grundlage für ein zufriedenes Leben
in einer Gemeinschaft.