Erklärung
[3]
Gemeinschaftsprojekte als Entwicklungsmodelle für
eine zukunftsfähige Gesellschaft
Die gegenwärtige
Umweltkrise ist für uns untrennbar verbunden mit der sich zuspitzenden
Zerstörung sozialer Bezüge. Die Umweltkrise ist somit auch eine Inweltkrise.
Sie hängt zusammen mit der wachsenden Isolation der Menschen untereinander
und von der Natur und mit dem Mangel an erlebbarer Verantwortung und
sinngebender Tätigkeit. Zur Lösung der Umweltkrise brauchen wir daher
nicht nur neue technische Entwicklungen, sondern ebenso die Entwicklung
neuer sozialer Räume und Strukturen, in denen das eigene Tun wieder
als sinn-voll" erlebt wird.
Während
in den verantwortlichen Organen dieser Gesellschaft bei zunehmender
Einsicht in die Ausweglosigkeit des industriellen Wachstumsmodells der
Mut und die Vorstellungskraft für weitreichende Visionen fehlen, werden
in Gemeinschaftsprojekten seit Jahren Lösungsansätze erarbeitet und
umgesetzt. Der prozeßhafte, ganzheitliche und kooperationsbetonte Charakter
gemeinschaftlichen Lebens ist für uns der Kern einer anpassungsfähigen
natur- und menschengemäßen Lebensweise, die sich nicht an Gewinn- und
Konsummaximierung orientiert.
Der
Rahmen unserer Gemeinschaftsformen reicht von Kommunen mit gemeinsamer
Kasse bis hin zur nachbarschaftlich organisierten ökologischen Siedlung.
Eine Vielfalt von Themen, von der persönlichen Emanzipation über ökologische
Techniken bis hin zu neuen Formen der Spiritualität, wird bearbeitet.
Auch wenn einzelne Lösungsansätze nicht immer die Zustimmung aller Gemeinschaften
finden, empfinden wir unsere Unterschiedlichkeit als wertvoll. Dabei
halten wir auch ungewöhnliche Experimente und die Erforschung von eher
tabuisierten gesellschaftlichen Bereichen prinzipiell für Not-wendig".
Eine Grenze, die nicht überschritten werden darf, ist in jedem Fall
das Selbstbestimmungsrecht der/des einzelnen und die Übereinstimmung
mit den Menschenrechten.
Bei aller
Vielfalt der Ansätze verbindet uns das Bestreben nach einer Integration
von sozialen und ökologischen Zielen. Die folgenden Prinzipien einer
sozial und ökologisch sinnvollen Lebensweise stehen für uns in einem
unverzichtbaren inneren Zusammenhang:
- gleichberechtigtes Mitwirken
aller Mitglieder der Gemeinschaft an
Entscheidungen
bzw. Entscheidungsstrukturen
- Leben und Wirtschaften
in Orientierung an ethischen Werten wie Solidarität und
Ganzheitlichkeit sowie an ökologischen und sozialen Kriterien
- Mitverantwortung für eine
gerechte und gewaltfreie Erde
Die Anerkennung
dieser Prinzipien bedeutet nicht, dass wir sie schon alle vollständig
verwirklicht hätten, sondern dass wir aktiv an ihrer Umsetzung arbeiten.
Grundvoraussetzung für das Beschreiten dieser neuen Wege ist für uns
die Förderung von Emanzipation und Persönlichkeitsentwicklung aller
Gemeinschaftsmitglieder. Wir suchen den Dialog und die Zusammenarbeit
mit Menschen, die wie wir auf der Suche nach neuen Wegen sind.
3 Diese Erklärung
wurde vom Netzwerk der selbstorganisierten und ökologischen Gemeinschaftsprojekte
als Selbstverständnis abgefaßt. In: EUROTOPIA 1997, 55