1.2
Nachhaltigkeit - ein Leitbild
Da
eine genaue Definition fehlt und es darüber hinaus unmöglich ist, einen
Endzustand von Nachhaltigkeit festzulegen, gibt es auch verschiedene
Problemlösungen: Für die einen ist Nachhaltigkeit ein quantitativ messbares
Konzept der Formeln und detaillierten technischen Vorgaben, die als
ökologische Grenzwerte und soziale Standards ausdifferenziert werden.
Die anderen, Vertreter einer eher transdisziplinären Forschungsrichtung,
fassen ‚Nachhaltigkeit' als einen gesellschaftlichen Prozess und eine
richtungsweisende Idee auf. Diese verabschiedet sich vom Zwang, Nachhaltigkeit
endgültig zu definieren und von der Ebene als Leitbild bis auf den niedrigsten,
praktischen Nenner zu bringen. Sie schlagen vor, Nachhaltigkeit als
regulative Idee im Sinne Kants zu verstehen.[17] So
verstanden, ist Nachhaltigkeit inzwischen zum Leitbild des ökonomisch-ökologischen
- und durch die Globalisierung auch zunehmend ökonomisch-sozialen -
Diskurses geworden.[18]
Als
Leitbild wirkt Nachhaltigkeit integrierend, orientierungsstiftend und
sinnvermittelnd.[19] Trotz aller aufgezeigten Schwierigkeiten
bei der Konkretisierung können Vertreter verschiedenster Interessen
an einen Tisch gebracht werden und dabei zu Kooperationen bewegt werden.[20]
Unter dem Dach des Nachhaltigkeits-Diskurses versammeln sich deshalb
auch wieder zunehmend ehemalige Kritiker des Konzepts.[21]
Nachhaltigkeit könnte somit zum Ausgangspunkt einer neuen "Dialogkultur"[22]
werden, die es ermöglicht, dass unterschiedliche Interessen artikuliert
werden, gemeinsame Problemdefinitionen gefunden und schließlich Problemlösungen
ausgehandelt werden.
17 Vgl. Enquête
(1998): S. 28.
18 Vgl. Stefan
Zundel: "Alles easy mit der Nachhaltigkeit? Zum Bedeu-
tungswandel
der Leitbilder ökologischen Wirtschaftens", in:
Ökologisches
Wirtschaften 2 (2000), S. 10f.
19 Vgl. Zundel
(2000): S. 10.
20 Vgl. Egon Becker:
"Nachhaltigkeit im gesellschaftlichen Wandel", in:
Ökobank
e.G. (Hg.): Strategietagung Dokumentation, Strategietagung
vom
24. April 1999 in Frankfurt, o.O. 1999, S. 8; sowie
Gray/Owen/Adams
(1996): S. 61.
21 Vgl. Brand/Jochum
(2000): S. 24.
22 Becker (1999):
S. 9.