2.1
Nachhaltigkeit durch ökoeffiziente Produktion?
Verfechter der Ökoeffizienz[40]-Strategien gehen davon
aus, dass Nachhaltigkeit durch eine technisch-ökonomische Effizienzrevolution
in Unternehmen herbeigeführt werden könne (vgl. auch z.B. Faktor vier
[41]). Angestrebt wird dabei eine radikale Steigerung
der Ressourceneffizienz, durch die gleichzeitig beträchtliche Kosteneinsparungen
erzielt werden sollen (beispielsweise durch Senkung der Energiekosten).[42]
Zunächst erscheint Ökoeffizienz dadurch als eine Idee, die es ermöglicht,
simultan einen Beitrag zu ökologischen und ökonomischen Nachhaltigkeitszielen
zu leisten.[43] Obwohl Ökoeffizienz so als Nachhaltigkeitsstrategie
propagiert wird, stellt sie aber im strengen Sinne eher ein ‚Kostendämpfungsprogramm'
dar. Das Konzept ist hauptsächlich an gängigen betriebswirtschaftlichen
Maximen ausgerichtet, die rein erfolgsorientiert sind. Die dritte Nachhaltigkeits-Dimension
der sozialen Ziele spielt in diesem Konzept lediglich eine untergeordnete
Rolle.
Die
Begeisterung für die Ökoeffizienz hat dazu geführt, dass betrieblicher
Umweltschutz in Deutschland zunehmend unter dem Etikett der Nachhaltigkeit
durchgeführt wird. Stoffstromanalysen, Öko-Audits, Öko-Bilanzierungen
und integrierter Umweltschutz haben wirklich zu einem umweltverträglicheren
Wirtschaften beigetragen und teilweise eine Ökologisierung der Produkte
selbst ermöglicht.[44] Partielle Verbesserungsprozesse
innerhalb der Unternehmen, die zweifellos sinnvoll sind, können jedoch
noch nicht ein ‚nachhaltiges Unternehmen' ausmachen. Relative Schadstoff-
und Ressourceneinsparungen pro Produkteinheit sind zwar wichtig im Rahmen
des Umweltschutzes, es widerspricht aber dem Gedanken der Nachhaltigkeit,
wenn diese Einsparungen durch ein absolutes Produktionswachstum überkompensiert
werden, was oft eintritt. So wird der Naturverbrauch lediglich relativ
gesehen verlangsamt. Ob eine solche Wirtschaftsweise dauerhaft durchhaltbar
ist, bleibt deshalb fraglich.[45]
Die
ernsthafte Ausrichtung eines Unternehmens an den Zielen der Nachhaltigkeit
verlangt indessen grundlegende Änderungen,[46] die
über die perfekte Kontrolle von Schadstoffemissionen, über die Vermeidung
von Störfällen und über Abfallreduzierung hinausgehen.[47]
Die eigentlichen Beeinträchtigungen sind meist nicht diejenigen, die
im Zuge der Produktion entstehen und ohnehin mengenmäßig gering sind.[48]
Vielmehr sind es die ökologischen und sozialen Auswirkungen der Produkte
selbst, deren Nutzung außerhalb der Fabrikmauern stattfindet. Notwendig
ist deshalb die Überprüfung der grundsätzlichen Vereinbarkeit bestimmter
Produkte und Unternehmen mit dem Ziel der Nachhaltigkeit und das Einläuten
eines "ökologischen und sozialen Strukturwandels"[49].
40
Der Begriff "Ökoeffizienz" ist spätestens seit
Stephan Schmidheinys
Buch
Kurswechsel (München 1992) sehr prominent geworden. Das
Buch
erschien im Vorfeld der Rio-Konferenz. Der Autor ist auch
Mitinitiator
der Wirtschaftsinitiative "Business Council for Sustainable
Development".
41 Ernst Ulrich
von Weizsäcker/Amory B. Lovins/L. Hunter Lovins: Faktor
vier.
Doppelter Wohlstand - halbierter Naturverbrauch. Der neue
Bericht
an den Club of Rome, München 1995, S. 15.
42 Vgl. Dirk
Jepsen/Arnim von Gleich/Manuel Gottschick: "Wettbewerbs-
fähigkeit
durch Nachhaltigkeitsorientierung", in: Ökologisches
Wirtschaften
1 (2001), S. 17-19.
43 Vgl. Loew
(2001): S. 10.
44 Vgl. Brand/Jochum
(2000): S. 156.
45 Vgl. Georg
Müller-Christ: "Inhaltliche Überlegungen zur Definition von
Nachhaltigkeit",
in: Ders.: Nachhaltigkeit durch Partizipation, Berlin
1998,
S. 32.
46 Vgl. Jens
Clausen, et al.: Schritte zur Nachhaltigkeitsberichterstattung,
Zwischenbericht
zum internationalen Stand, Erfahrungen aus der
Umwelt-
und Sozialberichterstattung und zum Informationsbedarf der
Zielgruppen,
Diskussionspapier des IÖW 50/00, Berlin 2000, S.11.
47 Vgl. Schneidewind
(2002): S. 35.
48 Vgl. Edgar
Gärtner: Was ist nachhaltig? Vorgeschichte, Verlauf und
Ergebnisse
der Bundestags-Enquête "Schutz des Menschen und der
Umwelt",
hrsg. v.: Verband der Chemischen Industrie (VCI), Frankfurt
o.J.,
S. 9.
49 Loew (2001),
S. 11.