3.1
Grundlagen der Unternehmenskommunikation
Unter Kommunikation versteht man generell die Übermittlung und
den Austausch von Nachrichten und Informationen zwischen einem Sender
und einem Empfänger. Dieser Austauschprozess kann in verbaler und nonverbaler
Form erfolgen. Kommunikation zielt auf Verständigung ab und bedient
sich verschiedener - meist sprachlicher - Kodes.[81]
Aus
sozialwissenschaftlicher Sicht tritt Kommunikation als Form des,
meist symbolischen, sozialen Handelns in den Vordergrund und wird wegen
ihrer Relevanz für das Zusammenleben von Menschen als Beitrag zur sozialen
Integration verstanden.[82] Innerhalb der sozialwissenschaftlichen
Perspektive sind für die weiteren Überlegungen vor allem systemtheoretische
und handlungstheoretische Ansätze wichtig, die auf die Herstellung von
Sinn zwischen gesellschaftlichen Systemen (Anschlusskommunikation) bzw.
auf die Handlungskoordination durch symbolische Interaktion abstellen.[83]
Semiotik und Linguistik untersuchen
dagegen Kommunikation unter dem Aspekt sprachlicher Strukturen und dem
Austausch von Zeichen. Zu untersuchen wären in diesem Sinne Mitteilungen
als Zeichen des Senders ‚Unternehmen' und die Entschlüsselung dieser
Botschaft beim Empfänger (vgl. hierzu Kapitel 4).
Unternehmenskommunikation
ist im weitesten Sinne Kommunikation zwischen dem Sender Unternehmen
und der marktlichen bzw. nicht-marktlichen Öffentlichkeit. Dabei soll
Unternehmenskommunikation zunächst für die "nach strategischen Aspekten
organisierte Kommunikation von Unternehmen mit der Öffentlichkeit"[84]
stehen, auch wenn diese Sichtweise später noch problematisiert wird.[85]
Eine Besonderheit der Kommunikation von gesellschaftlichen Institutionen
allgemein und somit auch von Unternehmen ist, dass sie "per se nicht
kommunikationsfähig sind."[86] Sie müssen erst "sprechfähig"[87]
gemacht werden, indem Strukturen und Konzepte entwickelt werden, die
diese kommunikative Fähigkeit ermöglichen.
Öffentlichkeitsarbeit
(auch Public Relations (PR)[88]) ist ein
wesentlicher Bestandteil der Unternehmenskommunikation und befasst sich
mit den gesellschaftlichen Beziehungen des Unternehmens, insbesondere
zu nicht-marktlichen Stakeholdern (d.h.: nicht Kunden, nicht Investoren,
vgl.58). Als gesellschaftliche Dimension[89] der Unternehmenskommunikation
hat sie, je nach Standpunkt, unterschiedliche Aufgaben. Während die
Vertreter der gesellschaftsorientierten Sichtweise Kommunikation im
Rahmen der Öffentlichkeitsarbeit meist als Beitrag zur sozialen Integration
(Verbreiten von Wissen über das Unternehmen und Interessenausgleich)
werten, stehen aus unternehmerischer Perspektive die Erlangung von öffentlichem
Vertrauen und von Reputation sowie der Aufbau eines Firmenimages im
Vordergrund.
Theoretiker weisen der Public-Relations-Arbeit
eine weitere wesentliche Aufgabe zu: Sie soll ein konsistentes Erscheinungsbild
über das Unternehmen vermitteln. Die gezielte Steuerbarkeit des Erscheinungsbildes
eines Unternehmens muss aber prinzipiell hinterfragt werden, denn alle
Handlungen, nicht nur intendierte Sprechhandlungen, haben Informationswert.
"Das
gesellschaftliche Umfeld reagiert nicht nur auf die bewusste Kommunikationspolitik
des Unternehmens, die sich in Gestalt gezielt eingesetzter Instrumente
wie Werbung und Public Relations äußert, sondern auf das unbewusste
Verhalten des Unternehmens hinsichtlich seiner gesellschaftspolitischen
Verantwortung."[90]
Deshalb
sollte verhindert werden, dass eine "Diskrepanz zwischen kommunikativen
Äußerungen und lebensweltlichen Handlungen entsteht".[91]
Außerdem ist
Öffentlichkeitsarbeit meist an die Wünsche eines bestimmten Auftraggebers
gebunden. Sie steht dadurch im Spannungsfeld zwischen der Durchsetzung
partikularer Unternehmensinteressen und öffentlichem Interesse.[92]
Der Konflikt zwischen Gesellschaftsorientierung (Beitrag der PR im Rahmen
einer demokratischen und pluralistischen Gesellschaftsordnung) und einem
eher unternehmensbezogenen (marketing- oder organisationstheoretischen)
Blickwinkel erweist sich somit als dominantes Element.
81
Vgl. Theo Bungarten: Unternehmenskommunikation:
Linguistische
Analysen
und Beschreibungen, Beiträge zur Wirtschaftskommunikation,
Tostedt
1994, S. 32.
82 Vgl. Ansgar
Zerfaß: Unternehmensführung und Öffentlichkeitsarbeit.
Grundlegung
einer Theorie der Unternehmenskommunikation und Public
Relations,
Opladen 1996, S. 208.
83 Vgl. Albert
Scherr: "Kommunikation", in: Schäfers, Bernhard (Hg.):
Grundbegriffe
der Soziologie, 4.Aufl., Opladen 1995, S. 154.
84 Rudolf Beger/Hans-Dieter
Gärtner/Rainer Mathes:
Unternehmenskommunikation.
Grundlagen, Strategien, Frankfurt/Main
1989,
S. 37.
85 Wenn Kommunikation
in Form der Unternehmenskommunikation
strategisch
eingesetzt werden soll, müsste der oben eingeführte
Kommunikationsbegriff
auf die intentionalen (Sprech-)Handlungen
begrenzt
werden (vgl. Zerfaß (1996): S. 144; Zerfaß/Scherer (1993):
S.
4). Die Literatur ist sich hier aber uneins, ob nicht auch unbeab-
sichtigte
Handlungen als Unternehmenskommunikation betrachtet
werden
müssen. Eine solche Gleichsetzung von Kommunikation und
Interaktion
findet sich bei Watzlawick et al. (1972).
86 Beger/Gärtner/Mathes
(1989): S. 32.
87 Beger/Gärtner/Mathes
(1989): S. 32.
88 Die Begriffe
Public Relations (PR) und Öffentlichkeitsarbeit werden
allgemein
synonym verwendet.
89 Gesellschaftsorientierte
Öffentlichkeitsarbeit ist im Gegensatz zur
Marktkommunikation
(auf die hier nicht weiter eingegangen werden
kann)
kein Teil des Marketings, da Marketing auf die Kommunikation
mit
Kunden zur Anbahnung von Geschäften ausgerichtet ist. Im
Folgenden
soll PR deshalb auch nicht als bloßes Instrument des
Marketing-Mix
betrachtet werden (vgl. Zerfaß/Emmendörfer (1994):
S.
47).
90 Svenja Hansen:
"Gesellschaftliche Kommunikation des Unternehmens",
in:
Bungarten, Theo (Hg.): Gesellschaftliche und ökologische Kommu-
nikation,
Beiträge zur Wirtschaftskommunikation, Tostedt 1997, S. 69.
91 Zerfaß (1996):
S. 216.
92 Vgl. Ulrike
Röttger (2000): Public Relations - Organisation und
Profession,
Wiesbaden, S. 20.