4.2
Anschluss an die gesellschaftliche Diskussion durch
"Sustainability-Communications"
Eine zunehmend beliebte Strategie zur erfolgsorientierten Nutzung des
Themas Nachhaltigkeit stellt das Konzept der Sustainability-Communications[150]
dar. Dieses nutzt "nachhaltiges Wirtschaften strategisch zur Imagebildung."[151]
Das Konzept geht davon aus, dass viele Unternehmen bereits auf materieller
Ebene nachhaltig wirtschaften und lediglich in der öffentlichen Wahrnehmung
dafür nicht honoriert werden bzw. dies nicht genügend nach außen darstellen.
"Heute schon ist die faktische Performance vieler
Unternehmen in Bezug auf nachhaltiges Wirtschaften viel größer als die
Unternehmenskommunikation es vermuten lassen würde."[152]
Sustainability-Communications
sollen also das angebliche Missverhältnis zwischen tatsächlicher und
wahrgenommener Nachhaltigkeit des Unternehmens beheben. Insbesondere
wird den Firmen geraten, sämtliche Umweltschutzmaßnahmen sowie beispielsweise
Verbesserungen beim Arbeitsschutz und der Sozialleistungen als Beweise
ihres nachhaltigen Wirtschaftens auszugeben. Die Herausforderung für
die Unternehmenskommunikation lautet demnach, "die wirtschaftliche Leistung
auf die Elemente nachhaltigen Wirtschaftens zurückzuführen."
Im
Rahmen der PR sollen einfach sämtliche Einzelbemühungen, angefangen
von der Abfallvermeidung bis hin zur guten Mitarbeiterführung als Engagement
für Nachhaltigkeit in den Vordergrund gestellt werden. Dies solle man
als "Rezeptur" auffassen, die sich bereits mit den "Zutaten" eines gut
funktionierenden Umwelt- und Personalmanagements verwirklichen lasse.[153]
Es gelte also, Leistungen des Unternehmens für die Adressaten von nachhaltigkeitsorientierter
Kommunikation zu "interpretieren", neue Argumente für die PR zu schaffen
und daraus das "kommunikative Kapital zu schlagen".[154]
Das Konzept weist
Gemeinsamkeiten mit den Vorschlägen von Ronneberger/Rühl zur die "Anschlusskommunikation"
auf (vgl. Kapitel 3.2). Hier wird Nachhaltigkeit als ‚durchsetzungsfähiges'
Thema genutzt, um ‚Anschluss' an die aktuelle gesellschaftliche Diskussion
zu finden. Die Idee der Sustainability-Communications betont das einseitige,
kommunikative ‚Ausschlachten' bestimmter Bemühungen der Unternehmen.
Eine systematische Auseinandersetzung mit extern geäußerten Bedenken
und Ansprüchen findet nicht statt. Dadurch wird sowohl eine gemeinsame
Zielbestimmung mit Kritikern als auch eine unternehmensinterne Reflexivität
verhindert. Es wird deshalb kritisiert, dass das Ergebnis der Sustainability-Communications
lediglich eine "Liste aller gesellschaftlichen Wohltaten"[155]
des Unternehmens sei.
Kritikwürdig
an diesem Konzept ist, dass hier Nachhaltigkeit zur Definitionssache
der Unternehmen wird. Sie vermeiden es, sich dem öffentlichen Diskurs
zu stellen, der eigentlich als Gradmesser für Nachhaltigkeit gelten
sollte. Nach dem Konzept der "Sustainability-Communications" ist Nachhaltigkeitskommunikation
jedoch schon erfolgreich, wenn das Unternehmen beispielsweise im Dow-Jones-Sustainability-Group-Index
(DJSGI) notiert ist. Der Börsenindex, der bestimmte Aufnahmekriterien
an die Unternehmen im Bezug auf ökologisches und soziales Verhalten
stellt, gilt als Beispiel der Vereinbarkeit von Profitmaximierung (Shareholder-Value)
und Nachhaltigkeit, da er schon über lange Zeit eine bessere Börsenperformance
aufweist als der konventionelle Dow-Jones-Index. Fraglich ist jedoch,
ob eine Firma allein durch die Präsenz im DJSGI zum nachhaltigen Unternehmen
wird, wie es beispielsweise von BMW und der Deutschen Telekom AG behauptet
wird.[156]
150 Analog
zu "Corporate Communications", bei der im Rahmen der
integrierten
Unternehmenskommunikation Marketing, PR und interne
Unternehmenskommunikation
unter dem Dach der "Corporate
Communications"
vereinigt werden.
151 Gregor Schönborn
(Hg.)/Andreas Steinert: Sustainability Agenda.
Nachhaltigkeitskommunikation
für Unternehmen und Institutionen,
Neuwied
2001, S. 11.
152 Schönborn/Steinert
(2001): S. III.
153 Schönborn/Steinert
(2001): S. 11.
154 Schönborn/Steinert
(2001): S. 5.
155 Fischermann
(2001).
156 Vgl. Schönborn/Steinert
(2001): S. 5.