4.3
"Greenwash": Instrumentalisierung der Nachhaltigkeit
Die Autoren des in der Umweltszene berühmten Buches "Greenwash"[157]
erheben den Vorwurf der gezielten Instrumentalisierung von ökologischen
und sozialen Themen seitens der transnationalen Konzerne. Sie vermuten,
dass teilweise mehr Mittel in die Werbung für Umweltfreundlichkeit investiert
werden als in konkrete Maßnahmen - nur um von Kritik abzulenken. Die
‚Kunst' solcher Unternehmenswerbung sei inzwischen zum eigenständigen
‚Genre' angewachsen. Die Konzerne leugneten zwar nicht länger ihren
Einfluss auf Umweltzerstörung, ihr Verhalten in Bezug auf die Umwelt
hätten sie aber nicht geändert, obwohl sie die Öffentlichkeit durch
verschiedenste Maßnahmen vom Gegenteil überzeugen wollten:
"Welcome
to the world of greenwash, where transnational corporations (TNCs) which
increasingly dominate the world economy, are [...] posing as friends
of the environment and leaders in the struggle to eradicate poverty.
[...] By the late 1980s TNCs could no longer deny their role in environmental
degradation. [...] Instead they embraced the environment as their cause
and co-opted its terminology in advertisements and corporate policies."[158]
Das Beispiel BPAmoco
Das
Engagement des Ölkonzerns BPAmoco (BP) in der Solarzellenproduktion
wird vielerseits nur als Investition in das Öko-Image der Firma gewertet.
Im Rahmen des Plug-in-the-Sun-Programms wollte BP in den USA 200 Tankstellen
mit Solarpaneelen ausrüsten. Während dies zwar positiv sei, lenke es
nach Ansicht einer amerikanischen NGO trotzdem von den echten Konsequenzen
der Verbrennung fossiler Brennstoffe ab, die nach wie vor Haupteinnahmequelle
des Konzerns sind. Außerdem sei das Engagement nicht ernst, denn BP
strebe keinesfalls einen langfristigen Übergang zu erneuerbaren Energien
an. Die Investitionen in die Solarenergie betrügen immer noch nur einen
Bruchteil der Ausgaben für die Erschließung neuer Ölquellen. 1999 erhielt
das Unternehmen als Zeichen besonderer Kritik den Don't Be Fooled-Preis
von Earthday.[159]
Das Beispiel Enron
In das Bild vom "Greenwashing" passt auch der Fall des US-amerikanischen
Energiekonzerns Enron, der im Jahr 2002 durch einen Bilanzfälschungsskandal
riesigen Ausmaßes ins Zwielicht geraten ist. Das Unternehmen hatte sich
als Vorreiter sozialer Verantwortung präsentiert; es schien besonders
in der Öffentlichkeitsarbeit fortschrittlich zu sein:
"[Enron]
rang all the bells of corporate social responsibility. It won a spot
for three years on the list of the 100 Best Companies to Work for in
America. In 2000 it received six environmental awards. It issued a triple
bottom line report[160]. It had great policies on
climate change, human rights, and (yes indeed) anti-corruption. Its
CEO gave speeches at ethics conferences and put together a statement
of values emphasising 'communication, respect, and integrity'."[161]
Die
zerstörte Fassade Enrons belastet nun das Vertrauen in die Wirtschaft
insgesamt und wirft die Frage auf, inwieweit die Aussagen von Unternehmen
auch auf dem Gebiet der Nachhaltigkeit noch ernst zu nehmen sind.
157 Jed
Greer/Kenny Bruno: Greenwash. The Reality behind Corporate
Environmentalism,
Penang/Malaysia 1996. - Der Begriff Greenwash
ist
bereits konventionalisiert.
Er wurde in die 10. Auflage des
"Concise
Oxford English Dictionary"
aufgenommen und wird dort als:
"Disinformation
disseminated by an organisation
so as to present an
environmentally
responsible public image" definiert
(vgl. Andy Rowell,
"Greenwash
Goes Legit", in: The Guardian, 21.07.1999).
158 Greer/Kenny
(1996): S. 14.
159 Jill Johnson,
Don't Be Fooled 2000, EarthDay 2000, im Internet:
http://www.earthdayresources.org/publications/dont_be_fooled_2000.
htm#BP%20Amoco,
(Zugriff: 05.09.2002).
160 Triple Bottom
Line Report entspricht einem Sustainable-
Development-Report.
161 Marjorie
Kelly, "The Next Step for CSR: Economic Democracy", in:
Business
Ethics, 13.08.2002.