5.1.2.2
Transparenz für Außenstehende
Eine transparente Informationspolitik muss zunächst in den Richtlinien
eines jeden Unternehmens verankert sein. Ein Beispiel hierfür stellen
die "Safety, Health and Environment (SHE)-Standards" der Henkel KGaA
dar. Standard No. 3 nennt explizit: "Henkel informiert Mitarbeiter und
Öffentlichkeit über SHE-relevante Themen regelmäßig, offen und umfassend
- auch dann, wenn Fehler unterlaufen sind."[215]
Transparenz
spielt bei der Veröffentlichung ‚harter' Umwelt- und Sozialdaten eine
wichtige Rolle. Denn für Außenstehende ist die Fülle von Daten über
Emissionen, Ressourcenverbrauch und Abfallmengen meist nicht aussagekräftig.
Die nüchternen Umwelt- und Sozialkennzahlen müssen vor allem für Laien
im Bezug auf ihre Auswirkungen für Umwelt und Gesellschaft bewertet
werden. Sonst entsteht der Eindruck, das Zahlenwerk habe einen reinen
Selbstzweck, und es bleibt für den Leser im Unklaren, welche Bedeutung
diese Zahlen für die Umwelt bzw. für die Gesellschaft haben.[216]
Im Environmental Progress Report des Chemieproduzenten Dow Europe
von 1994 wird das Problem treffend beschrieben:
"The
figures we present often raise the question: 'How do these emissions
impact the environment?'"[217]
Deshalb
ist die Vergleichbarkeit von Informationen und Angaben ein wichtiges
Element zur Verwirklichung von Transparenz, sonst können Stakeholder
die Fortschritte der Unternehmen nicht beurteilen. Eine Lösung des Problems
könnte eine gebündelte Veröffentlichung der Berichte der letzten Jahre
auf CD-Rom sein, wie es Henkel tut.[218] So können
die Fortschritte über eine längere Zeitspanne nachvollzogen werden.
Das Beispiel Weleda AG: Transparenz - Reflexion - Zielbestimmung
Der
SD-Report des Arzneimittel- und Kosmetikherstellers Weleda AG heißt
Transparenz2. Die Umweltinstitute IÖW und imug loben, dass das
Unternehmen seine Leistungsdaten selbst bewertet. Beispielsweise beim
gestiegenen Stromverbrauch der Weleda: Hier wird der Stromverbrauch
gleich in CO2-Emissionen umgerechnet, um zu zeigen, welche Schadstoffe
bei der Herstellung der entsprechenden Strommenge entstanden sind. D.h.
der Leser wird von einer abstrakten Verbrauchszahl bis hin zu einer
konkreten Umwelteinwirkung geführt.
Der
positive Effekt der externen Veröffentlichung dieser Umweltdaten
war, dass ein interner Reflexionsprozess (Controlling-Prozess[219])
in Gang gesetzt wurde. Der dazu führte, dass sich Weleda das ehrgeizige
Ziel setzte, die CO2 Emissionen aus angekauftem Strom um 1000 Tonnen
zu reduzieren. Erreicht werden sollte dies bis 2001 durch konsequenten
Ankauf von Strom aus erneuerbaren Energien.[220]
1999
begann Weleda, ihrer bisherigen Berichterstattung ökonomische und soziale
Gesichtspunkte hinzuzufügen. Auch dadurch wurde ein reflexiver Prozess
in Gang gesetzt, denn "viele Fragen wurden nun wirklich das erste Mal
gestellt". Neue Fragen, obwohl bei dem anthroposophisch orientierten
Unternehmen schon von seinem Selbstverständnis her "gegenüber den sozialen
Aspekten stets eine hohe Verpflichtung" bestand. Im Vorfeld der Berichterstattung
wurde zum ersten Mal eine kritische und konsequente Bestandsaufnahme
mit Experten durchgeführt.[221] Walter Landensperger,
Umweltbeauftragter der Weleda AG, unterstreicht, dass das SD-Reporting
nach Innen den Blick für "das ganze Themenpaket"[222]
geschärft habe.
215
Henkel KGaA (Hg.): SHE-Standards: Safety, Health
and
Environment,
im Internet: http://www.she.henkel.de, (Zugriff:
15.08.02).
216 "Reports
are a means, not an end." (SustainAbility/UNEP (1996a):
S.
12f.)
217 Zit.
n. SustainAbility/UNEP (1996a): S. 60.
218 Vgl.
Henkel KGaA (Hg.): Umweltkommunikation/Environmental
Communication,
Düsseldorf o.J., CD-Rom. Enthalten sind die
Umweltberichte
von 1992 - 1999.
219 Vgl. Clausen
et al. (2000): S. 23.
220 Vgl. Weleda
AG: Transparenz2, Berichtsjahr: 1999, Schwäbisch-
Gmünd
2000, S. 19-21, vgl. auch Clausen et al. (2002): S. 93 u. 95.
221 Vgl. Walter
Landensperger (2001): "Ökologische, ökonomische und
soziale
Mehrwerte schaffen. Der Nachhaltigkeitsgedanke in der
Weleda
AG", in: 21- Das Leben gestalten lernen, (4) 2001, S. 65-67.
222 Landensperger
(2001): S. 67.