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Zusammenfassung
Zu Beginn der Arbeit wurde gefragt, wie sich Unternehmen strategisch
auf das gesellschaftliche Ziel einer nachhaltigen Entwicklung ausrichten
können. Den Ausführungen wurde ein unkonventionelles Verständnis von
nachhaltiger Entwicklung zu Grunde gelegt: Demnach beschränkt sich die
Forderung nach Nachhaltigkeit nicht auf den Bereich der Produktion und
der technischen Abläufe, sondern ist vor allem an die Unternehmenskommunikation
zu richten. Dies mag zunächst als provokativ angesehen werden, erscheint
aber plausibel angesichts der noch ungelösten kontroversen Fragen über
Zielrichtung, Prioritäten und konkrete Kompromisse bei den einzelnen
Nachhaltigkeitszielen.
Bestätigt wurde dies durch den Vergleich
des unternehmensbezogenen, technischen Ökoeffizienz-Ansatzes mit dem
stakeholder-zentrierten Konzept der ‚license to operate'. Folglich machen
diskursive Lern-, Aushandlungs- und Legitimationsprozesse über Ökoeffizienz
hinaus den Kern des Nachhaltigkeitsgedankens aus. Diese sollen eine
vernetzte Problemsicht ermöglichen und Orientierung über die zu ergreifenden
Maßnahmen in der Produktion und über den Umgang mit kritischen Technologien
und Produkten geben. Die kommunikative Ausrichtung auf die Stakeholder
verhindert das Verabsolutieren der unternehmerischen Innensicht und
führt zu einem sensibleren Umgang mit der Unternehmensumwelt. So können
Kritiker und Betroffene von Unternehmensaktivitäten konstruktiv eingebunden
werden. Eine kritische interne Auseinandersetzung schafft zudem Klarheit
über Veränderungsbedarf.
Im Verlauf der Arbeit wurden sodann
Kriterien nachhaltigkeitsorientierter Kommunikationsstrategien für Unternehmen
entwickelt und anhand konkreter Beispiele aus der Praxis untersucht.
Es zeigte sich, dass an die Unternehmenskommunikation spezifische Anforderungen
zu richten sind - denn Kommunikation über Nachhaltigkeit ist nicht immer
auch selbst nachhaltig. In einigen oben beschriebenen Fällen wurde gezeigt,
wie das Thema Nachhaltigkeit instrumentalisiert wird und zum Selbstzweck
verkommt.
Im
Überblick über die Modelle der Öffentlichkeitsarbeit wurden die konzeptionellen
Ursachen für solche missverstandene Nachhaltigkeitskommunikation aufgezeigt.
Diese liegen im Spannungsverhältnis zwischen erfolgsorientierter, interessengeleiteter
(letztlich manipulativer) PR und einer verständigungsorientierten PR,
die auf Handlungskoordination mittels argumentativ erzielter Konsense
zielt. Anhand ersterer, erfolgsorientierten PR-Variante ließ sich zeigen,
dass die begriffliche Unschärfe des Konzepts Nachhaltigkeit für manipulative
PR ausgenutzt werden kann. In einigen Beispielen (z.B. die Solarzellen-Kampagne
von BP) drückte sich eine auf Anschlusskommunikation fixierte PR aus,
die das Modethema Nachhaltigkeit aufgreift, um in der öffentlichen Diskussion
‚mitzuhalten'.
Die Schlussfolgerungen aus der missverstandenen
Art von Nachhaltigkeitskommunikation waren folgende: Es reicht nicht
aus, Nachhaltigkeit zum Thema der Unternehmenskommunikation zu machen
oder isolierte ‚PR-Aktionen' durchzuführen, die kein ganzheitliches
Bild vom Zusammenhang zwischen den Aktivitäten der Firmen und den Umweltproblemen
und sozialen Missständen geben. Sie werden schnell von der öffentlichen
Kritik entlarvt und bilden keine Basis für zukünftig tragfähige Beziehungen.
Kommunikationsweisen, die außerdem auf die konstruktive Einbindung von
Stakeholderinteressen verzichten, verhindern Lernprozesse. Ohne argumentativ
fundierte und reflektierte Kommunikation fehlt die Grundlage für gesellschaftlichen
Konsens und Legitimation. Diese Kommunikationsweisen widersprechen somit
dem Prinzip der Nachhaltigkeit.
Demgegenüber erwiesen sich viele
aufgezeigte Beispiele zur zweiten PR-Variante als aussichtsreiche, teilweise
auch schon sehr erfolgreiche Instrumente einer umfassenden Kommunikationsstrategie.
Dem Ideal der wohlverstandenen Nachhaltigkeitskommunikation kommen einzelne
Stakeholder-Dialoge schon sehr nahe (z.B. TellShell oder HoechstNachhaltig).
Auch das Beispiel von Novo Nordisk aus dem SD-Reporting zeigte, wie
sich ein Unternehmen kontroversen Themen in der Öffentlichkeit stellt
und nach gangbaren Lösungen sucht. Einige Unternehmen konnten dank dieser
Kommunikationsinstrumente bereits die Beziehungen zu ihrem Umfeld weitgehend
konfliktfrei gestalten. Andere Unternehmensbeispiele, wie das der Weleda
AG zeigten deutlich, dass öffentliche Rechenschaftslegung zu internen
Reflexionsprozessen führen kann, und dadurch auch tatsächlich zu nachhaltigen
Entwicklungen im Produktionsprozess.
Die eingangs formulierte These kann
demnach als bestätigt angesehen werden. Kommunikation ist ein wichtiger
Teil jeder Unternehmensstrategie für Nachhaltigkeit. Nachhaltigkeitskommunikation
in der Öffentlichkeitsarbeit von Unternehmen, die auf Verständigung
setzt, kann somit ein Mittel zur Umsetzung der Zielvorstellungen von
Nachhaltigkeit sein. Der Konflikt zwischen einseitigen Nutzenkalkülen
des Unternehmens und einer verantwortlichen PR kann durch eine offene
und glaubwürdige Auseinandersetzung des Unternehmens mit ökonomischen,
ökologischen und sozialen Problemstellungen abgemildert werden.
Abschließend muss dennoch vor ernstzunehmenden
Gefahren gewarnt werden. Zum einen kann Nachhaltigkeitskommunikation
keinesfalls Ausdruck eines bereits erreichten Zustandes von Nachhaltigkeit
sein - genauso wie ausführlich dargelegt wurde, dass es ‚nachhaltige'
Unternehmen per se nicht gibt. Zum anderen darf Nachhaltigkeit, wenn
sie mehr als Prozess denn als Ziel verstanden wird, nicht die klare
Zielrichtung abhanden kommen. Der Prozess der Konfliktaustragung darf
nicht die Sicht auf die existenziellen Probleme verstellen, die das
Konzept Nachhaltigkeit lösen soll. Die Diskurse mit einer Vielzahl an
Meinungen und Akteuren müssen Entscheidungen über die notwendigen Veränderungen
herbeiführen können. Nichts wäre schlimmer für die bevorstehenden ökologischen,
sozialen und ökonomischen Herausforderungen als ein Verharren in Minimalkonsensen.
Nachhaltigkeit erfordert, dass nicht nur die möglichen, sondern
vor allem die notwendigen Veränderungen angepackt werden.