2.8.3 Sparrate

Eine faire ökologische Sparrate gehört zum Konzept der Gerechtigkeit als Fairneß. Der Erhalt des natürlichen Kapitalstocks umfaßt eine Einschränkung der Handlungsmöglichkeit im Umgang mit der natürlichen Umwelt. Das Sparen kommt durch die Anerkennung von Maßnahmen zustande, sofern auf augenblicklich verfügbare Vorteile verzichtet wird, um zukünftigen Generationen dem Nachhaltigkeitspostulat gemäß eine qualitative Grundausstattung zu ermöglichen. In der Praxis würde eine strenge Befolgung des Postulates mit gravierenden materiellen und freiheitsspezischen Einschränkungen der jetzt lebenden Generationen einhergehen, wie die Modellrechungen aus den Niederlanden (vgl. Institut für sozial-ökologische Forschung (Hg.) 1993) und Deutschand BUND/MISEREOR (Hg.) 1996) belegen. Bei Befolgung einer gerechten globalen Verteilung von Umweltressourcen würde sich für die Bewohner in den Industrieländern die u.a. die Konsequenz ergeben, den Ressourcenverbrauch und den Verkehrsbetrieb mit Unterstützung von fossilen Brennstoffen massiv einzuschränken. Von einer  reichen Gesellschaft ist dann eine entsprechend höhere Sparrate zu erwarten. Rawls Spargrundsatz beinhaltet alle Maßnahmen, die hinsichtlich einer fairen, und gerechten Behandlung kommender Generationen unerläßlich sind. Dies umfaßt eine faire Sparrate, die sich auf Umweltqualität und die Naturressourcen sowie auf Langzeitrisiken und die Etablierung bestimmter Großtechnologien bezieht.
      Die Konsequenz aus der These von Rawls, daß es keinen Grund gibt, der bloße Stellung in der Zeit irgendein Gewicht zu geben, um eine Bevorteilung zu erlangen, würde eine Befolgung dieser restriktiven Einschränkungen fordern. Somit wäre eine Sparrate für jeden Entwicklungszustand der Zivilisation festzulegen. Daraus folgt für Rawls (1979, S. 328f.), daß jegliche Form der Diskontierung konsequent abzulehnen ist.
      Das Konzept der Gerechtigkeit als Fairneß sieht vor, daß  alle Ungleichheiten vor dem am schlechtesten gestellten gerechtfertigt werden müssen. Sparen wird insofern als ökonomische Form des Verzichts beschrieben. Aufgrund dieses Maßstabes könnte der imaginär am schlechtesten gestellte die Sparrate selbst bestimmen. Er soll sich vorstellen, daß er ein Vertreter von Nachkommenslinien ist und daß er wünschte, alle vorangegangenen Generationen hätten ihn befolgt. Der gerechte Spargrundsatz darf also nicht von der Zeitpräferenz beeinflußt werden. Ein dauerhaft gerechter Spargrundsatz entspricht genau dem Nachhaltigkeitsprinzip, sofern gilt, daß jede Generation als Ausgleichsregelung den späteren das weitergibt, was sie von den früheren empfangen hat (vgl. Rawls 1979, S. 322).

Im folgenden Kapitel stehen praktische Anwendungsfelder im Vordergrund, die nachhaltige Strategien und Handlungsfelder dokumentieren.

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