4.4
Wertewandel und Umweltschutz
Von
einem Wert oder einer Vielzahl von Werten wird dann gesprochen, wenn
der einzelne, eine Personengruppe oder die Gesellschaft etwas als "wünschenswert"
oder "erstrebenswert" erachtet. Ein Wertewandel vollzieht
sich jedoch erst ab dem Zeitpunkt, wenn sich die Einstellungen und Bedürfnisse
der Menschen ändern, bislang angestrebte Wünsche ihre Priorität verlieren
und durch neue ersetzt werden.
Hopfenbeck (1989) sieht durch den
sich vollziehenden ökologischen Bewußtseinswandel die Chance, daß es
"langfristig zu einer Versöhnung von Ökonomie und Ökologie"
(ebd., S. 856) kommen könnte.
Fuchs und Kleindiek (1984) stellen
die These auf, daß die gesellschaftliche Entwicklung durch Werteprobleme
gekennzeichnet ist, da an der Möglichkeit zur Lösung ökonomischer, technischer,
ökologischer und sozialer Probleme in der Öffentlichkeit gezweifelt
wird. Insofern fällt es der Öffentlichkeitsarbeit schwer, "die
Verständigung unter divergierenden gesellschaftlichen Gruppen"
aufrecht zu erhalten (vgl. ebd., S. 87). Daher ist es für die Öffentlichkeitsarbeit
entscheidend, sich Kenntnisse über die jeweils gültigen Normen und Werte
der Gesellschaft zu verschaffen, um darauf die Kommunikation nach innen
und außen aufbauen zu können.
Ein Ergebnis der zunehmenden gesellschaftlichen
Orientierung an den Werten "Umwelt und Gesundheit" erfordert
ein sensibles Umgehen der Unternehmen mit Umweltproblemen, da in der
öffentlichen Diskussion der Gegensatz von Ökonomie und Ökologie immer
häufiger zugunsten ökologischer Werte entschieden wird, wobei davon
ausgegangen werden kann, daß die Industrie diese ökologische Orientierung
der Öffentlichkeit nicht angemessen in ihre betrieblichen Aktivitäten
umsetzt (vgl. Röglin/Grebner 1990, S. 31).
Zahlreiche Umfragen ergaben, daß
das Thema "Umweltschutz" sowohl auf Seiten der Unternehmen
als auch bei der Öffentlichkeitsarbeit eine zunehmende Bedeutung erhält.
So brachte eine Umfrage des Bundesverbandes
Junger Unternehmer (BJU) bei Wirtschaftsunternehmen zum Thema "Ökologie
- Ökonomie, ein Gegensatz?" folgende Ergebnisse:
Von den antwortenden Unternehmen
plädierten rund 77% für eine Verankerung des Umweltschutzes im Grundgesetz,
fast ebenso viele wollten ihre Umweltschutzmaßnahmen im Produktionsbereich
verstärken. Rund die Hälfte wollte bereits im Vorfeld Umweltziele in
die Unternehmenskonzeption mit einbeziehen (vgl. Gege 1991, S. 65).
Weitere Untersuchungen ergaben, daß sich der Trend in der Bevölkerung
in den nächsten Jahren auch aus Sicht der Hersteller von ökologisch
relevanten Produkten bei der Produktorientierung in Richtung
Umweltschutz fortsetzt, wodurch sich für die ökologieorientierten Unternehmen
sowohl quantitative als auch qualitative Vorteile ergeben können (vgl.
Raffee/Förster/Krupp 1988, S. 141f.).
Auch die zukünftigen Mitarbeiter
der Unternehmen sind immer weniger bereit, in Unternehmen zu arbeiten,
wo dem Umweltschutz nur eine untergeordnete Funktion zukommt.
Obwohl der ökologische Wertewandel
nicht zwingend eine unmittelbar marktbezogene Auswirkung zur Folge haben
muß, ist eine "ökologische Kompetenz" (Meffert u.a. 1988,
S. 17) schon aufgrund des Unternehmensimage zu empfehlen, da das Unternehmen
auf die Kooperation und Mitarbeit zahlreicher Stellen angewiesen ist,
die ihre Bereitschaft zur Kooperation aufgrund ökologischer Bemühungen
des Unternehmens entscheiden können.
Daher sind die Unternehmen gefordert,
ein "langfristiges Wertegleichgewicht" (Rebstock 1988, S.
183) mit der Gesellschaft zu schaffen und zu erhalten.
Die öffentlichen Ansprüche, die
eine neue Wertorientierung mit sich bringen, müssen von der Öffentlichkeitsarbeit
aufgegriffen und den Entscheidungsträgern des Unternehmens dargelegt
werden, schließlich besteht die primäre Aufgabe der Öffentlichkeitsarbeit
darin, die öffentlichen Stimmungen und Tendenzen des ökologischen Wertewandels
aufzunehmen und zu vermitteln.
Gerade durch das Spannungsfeld zwischen
Ökonomie und Ökologie entsteht für die Öffentlichkeitsarbeit ein erhöhter
Handlungsbedarf, wie Klenk (1991) betont. Sie sollte daher den Dialog
mit allen gesellschaftlich relevanten Gruppen suchen und durchführen.
Hinsichtlich der Öffentlichkeitsarbeit
fordert Winter die Einhaltung folgender Regeln:
- Die PR-Aussagen
über umweltorientiertes Handeln müssen einer Nachprüfung gewachsen
sein.
- Eine allgemeine
Berichterstattung über die "Umweltfreundlichkeit" des Unternehmens
sollte zugunsten derjenigen über konkrete Aktivitäten weichen.
- Die Öffentlichkeit
soll in die Planung von Umweltschutzmaßnahmen im Unternehmen einbezogen
werden, auch wenn sie konträre Positionen zum Unternehmen bezieht.
- Die Öffentlichkeitsarbeit
soll auf dem Umweltsektor den Dialog mit anderen Unternehmen, Behörden
und Umweltverbänden suchen (vgl. Winter 1993, S. 199ff.).
Für
die Praxis bedeuten diese Forderungen, daß die Öffentlichkeitsarbeit
den Dialog mit Gewerkschaften und Bürgerinitiativen sucht, um zu gemeinsamen
Lösungen bei strittigen Fragen zu gelangen. Auch die Gewerkschaften
befinden sich im Spannungsfeld zwischen Ökologie und Ökonomie, wenn
der Erhalt oder die Schaffung von Arbeitsplätzen nur mit ökologischen
Belastungen durch die Unternehmen verbunden werden kann.